Andreas Pasda - Vom Pförtner zum Starzeichner

Sein Strich orientiert sich an Uderzo und Lambil, ist klar und sauber in humoristischer Technik. Internationale Beachtung fand er als Mitglied der ostdeutschen Künstlergruppe Zonic

(zusammen mit Jörg Reuter und Jens Uwe Schubert) durch kurz nach dem Mauerfall entstandene Wandlitz nach einem Szenario von Lothar Dräger im Carlsen-Album "Durchbruch". Mit dem heutigen MOSAIK- Szenarristen Jens Uwe Schubert ist er imstande, die Abrafaxe durch witzige Stories und zeichnerisches Können zu ungeahntem Leben zu erwecken.
Unbändiger denn je agierten sie 1992 als Tagesstrip der "Super! Zeitung", strahlten eine Vitalität aus, die in Staunen versetzte.

Und doch hatte es der am 17. Oktober 1961 in Berlin geborene Andreas Pasda nicht leicht, seine Comics zu veröffentlichen. Gleich am Anfang als der Traum vom Comic-Zeichner bei ATZE oder MOSAIK noch in weiter Ferne lag, standen Rückschläge über Rückschläge. Es begann schon 1980 mit der Ablehnung seiner Bewerbung an der Kunsthochschule in Berlin-Weißensee, wo er direkt nach dem Abitur auf einen Studienplatz gehofft hatte. Niedergeschlagen lernte er als Übergangslösung den Beruf eines Druckers, beschloss jedoch, seine Wunschkarriere im Auge zu behalten. 1984 wagte er eine erste, jedoch vergebliche Vorstellung bei Wolfgang Altenburger. Nach Armee und erneutem Broterwerb als Drucker folgte Anfang 1988 eine weitere Vorsprache im Verlag "Junge Welt", die zwar wieder nicht das gewünschte Ergebnis brachte, aber immerhin einen Teilerfolg in Form eines Arbeitsplatzwechsels zeitigte. Nur in räumlicher Nähe der so begehrten Comic-Zentrale zu sein, hatte Andreas Pasda spontan zugegriffen, als er bei seinem Besuch zufälligerweise von einer freien Pförtnerstelle hörte. Damit war das Sprungbrett gelegt. Noch im gleichen Jahr veröffentlichte der frischgebackene Verlagspförtner sein auffälliges Erstlingswerk in ATZE.

Im Dezember 1989 bestritt Pasda mit über acht Seiten bereits die Hälfte des gesamten Heftes und löste ab Februar 1990 auch noch Irmtraud Winkler-Wittig als bis dahin dominierende Cover-Zeichnerin ab. Gleichzeitig brachten das Februar- bzw. Märzheft den Einstieg in drei neue Pasda-Serien: Arminius, Uderzos Asterix diente als Vorbild, Piep und Tschiep, ein Gagstreifen um die Abenteuer einer Maus und eines Spatzen, sowie Ach, du liebe Zeit, der Familienfernseher als Zeitmaschine. Arminius (2-6/1990) hatte Pasda bereits 1987 gezeichnet, war bei ATZE aber auf wenig Gegenliebe gestoßen. Erst jetzt, unmittelbar nach der Wende, griff Altenburger im Zuge einer Neuorientierung begeistert darauf zurück. Doch trotz deutlicher Qualitätssteigerungen war ATZE nicht mehr zu retten. Jahrzehntelang vernachlässigte Leserbindungen durch den Abdruck ungeliebter, ja ärgerlicher Bildgeschichten ließen sich in der kurzen, noch verbleibenden Zeit trotz aller Bemühungen nicht mehr aufholen. Dennoch blieb Andreas Pasda dem sinkenden Schiff bis zum bitteren Ende verbunden. Maus und Sperling piepten und tschiepten noch bis zur Schlussnummer. Ebenso die jugendlichen Helden seines Zeitmaschinen-Strips Niko und Chris, die sich unter neuem Titel und Texten von Rüdiger Kunz zu einem phantasievollen Weltraum-Comic gewandelt hatten. Erste Pasda-Proben als Fix und Fax-Zeichner gelangten aber nicht mehr zum Abdruck.

Im Jahr der deutschen Einheit überschlugen sich die Eindrücke und Aktivitäten. Pasda fand im Februar ein Festanstellung bei MOSAIK, bewährte sich als einfühlsamer Abrafax-Zeichner und erprobte mit Zonic neue Stilrichtungen. Mit seinen MOSAIK-Kollegen und Zonic-Mitstreitern Jens Uwe Schubert und Jörg Reuter, letzterer übernahm als Nachfolger Lothar Drägers die Redaktionsleitung von MOSAIK, wurde er in Erlangen und Hamburg von westdeutschen Verlagen umworben, entschied sich aber letztlich für die Abrafaxe und ein Verbleiben im MOSAIK-Team, zumal weitere Zonic-Aktivitäten unbefriedigend verliefen. Eine Fortsetzung der Wandlitz-Story aus dem "Durchbruch-Album hatte nämlich im Herbst 1991 zum Zerwürfnis mit Lothar Dräger geführt, der sich übergangen fühlte und der abdruckenden "Super! Zeitung" durch seinen Anwalt eine Strafe wegen Plagiats in Höhe von 20.000 DM in Aussicht stellen ließ, aber leer ausging.