Barbara Henninger

Prominenteste ostdeutsche Karikaturistin, ist mehr als gefragt. Die Frau zeichnet mit links und trägt trotzdem Goldene Hüte und Gothaer davon. Die Frau kann beißen, ganz schön sogar. Am Ende sind die Lacher noch auf ihrer Seite, und eine Frau in dieser Sparte dazu noch erste Garnitur.

Heute ist die Personalkarikatur groß gefragt. Wenn sie mal mit einer Metapher kommt, haben die neuen Westredakteure Schwierigkeiten, das zu verstehen. Die lernen doch den Osten wie eine Fremdsprache. Und dann erwarten sie, statt ihre Schulaufgaben zu machen, daß wir uns verständlich machen.

Geboren wurde Barbara 1938 in Dresden. Abitur und Architekturstudium folgten. Von 1959 bis 1967 Redakteurin in der Dresdner Tageszeitung "Sächsisches Tageblatt".

Im traurigen Monat November fand sich Barbara in einer Laube in Strausberg wieder,zusammen mit einem Schulkind das fror und einen Kanonenofen. Sie mußte heizen heizen und heizen. Nicht daran zu denken das Haus zu verlassen um in der Redaktion zu arbeiten. Was tun ? Sie nahm den Stift aus der rechten in die linke Hand und begann zu zeichnen. Heute sitzt sie immer noch in der Laube, besser gesagt in der Garage und zeichnet.

Auch heute ist sie noch freischaffende Karikaturistin und ständige Mitarbeiterin beim "Eulenspiegel".

Seit 1980 versuchte sie ihre Karikaturen immer tiefer anzulegen.

Sie wollte Ursachen ans Licht bringen, nicht nur an der Oberfläche kratzen, wollte ehrlich sein und verstanden werden. Nach der Wende von 1989 lebte der Eulenspiegel wochenlang von Barbaras Werken , die ihren Biß so schnell nicht verloren hatten.

Ansonsten ist es wie damals, die Ideen purzeln derzeit schneller, als ihre Hand ein sorgfältig gezeichnetes Kleinkunstwerk daraus machen kann.

Und wo findet sie ihre Ideen ? "In der Zeitung, auf der Straße und in der Familie." Der Rest ist Training.

Da fällt einem nur noch eine Karikatur von ihr ein mit der schönen "Angela" mit dem Titel "Angelas Nachtgebet",auf der die Ministerin vor Kreuz und Kanzler inbrünstig betet: " Lieber Gott ich danke dir für die Gnade der späten Geburt - aber kannst du nicht was gegen die vielen schrecklichen Weiber machen?!.

Mach weiter so Barbara ! Mut ...da war doch noch diese Zeichnung bei der sich Ost und West gemeinsam lachend auf die Schulter klopften vor lachen. Auf einen Gipfel steht mit einem Rucksack beladen ein Menschlein, das hilfeheischend "Heellmut!" ruft. Die Antwort gibt das Echo von allen Seiten, das da "Mut!, "Mut! "MUT! hallt.

"Zum Bundesverdienstkreuz werde ich es sicher nicht bringen", grinst die Karikarturistin, wieder in ihrem Element.
Aber warum eigentlich nicht ?
Was einem Udo Lindenberg recht ist, müßte doch der Sparte billig sein, die die undankbare Aufgabe übernimmt, täglich der Nation den Spiegel vors Gesicht zu halten.

Barbara war am 18.02.1998 in Neubrandenburg in der Zeit von 15.30-17.30 Uhr.