Heinz Rammelt

Dem am 29. Januar 1912 in Leipzig geborenen Heinz Rammelt war der Zeichenstift schon in die Wiege gelegt: Seine Mutter war die Kunstmalerin Käthe Rammelt-Bürger (1877-1943).

Aber erst eine Verletzung des rechten Handgelenks brachte die entscheidende Wendung hin zu Zeichenstift und Pinsel. In seiner Schulzeit konnte er nicht am Sportunterricht teilnehmen. Der Turnlehrer, gleichzeitig Zeichenlehrer, hielt den kleinen Heinz an, die Zeit für Zeichenstudien im nahegelegenen Leipziger Zoo zu nutzen. Damals entflammte auch Rammelts bis heute anhaltende Liebe zum Zirkus. Prallgefüllte Skizzenmappen zeugen von Besuchen bei Krone, Sarasani, Busch u.a.. Noch nicht achtzehn Jahre alt, stand für ihn fest, Tiermaler werden zu wollen. Seiner Bewerbung an der Akademie für bildende Künste in Leipzig wurde aufgrund der vorgelegten zwei Arbeiten entsprochen, obwohl das den Aufnahmebedingungen eigentlich widersprach: Heinz war noch keine achtzehn. 1930 zog es ihn dann für zwei Jahre an die Akademie für bildende Künste in München, in die Tiermalklasse des bekannten Pferdemalers Professor Angelo Jank. Wieder in Leipzig wurde er Meisterschüler bei Professor Thiemann. Die nächste Etappe führte ihn nach Berlin, wo er für verschiedene Verlage Bücher und Zeitschriften illustrierte. Sein erstes Erfolgsbuch erschien 1936 in der Büchergilde: Tiergeschichten von Franz Graf Zedtwitz. Zu den schönsten Büchern dieser Zeit, die es sogar mit Disney aufnehmen konnten, zählt "Hannibal und Bambi bei den Känguruhs"- Ein Bilderbuch von Heinz Rammelt, das im Berliner "West-Ost-Verlag" erschien. Seine Bilderbücher fanden bei dem Schriftsteller Waldemar Bonsels so großen Anklang, daß der ihn für einen geplanten Zeichenfilm seiner "Biene Maja" um Unterstützung bat. Großen Zuspruch fanden Rammelts Arbeiten auch beim Direktor der gerade gegründeten Deutschen Zeichenfilm GmbH, der ihn als Hauptzeichner engagierte. In dieser Tätigkeit lieferte Rammelt u.a. Entwürfe für den Film "Hansi". Leider ist das Archiv des Künstlers durch eine Berliner Bombennacht 1943 arg geschrumpft worden, in der seine Wohnung am Kurfürstendamm restlos ausbrannte.

Nach dem Krieg erhielt Rammelt einen Ruf nach Prag zum Wiederaufbau des tschechischen Zeichenfilms, dem er aber nicht folgte. Mit seiner Familie zog er in die Nähe von Oschersleben, wo er als freischaffender Künstler lebte. Aufträge als Pressezeichner ließen ihn ab 1951 wieder nach Ost-Berlin pendeln. Hier arbeitete er für "Der Junge Pionier" bzw. "Die Trommel", Frösi, Atze, Bummi usw. Unter den wenigen Serien mit sich wiederholenden Figuren finden wir in der "Trommel" den Waschbären Chi-Chi mit Versen von Werner Gestell (1958/59). Von Serien kann man auch bei seinen Tier-Bildergeschichten für die "Kinder-BZ", der illustrierten Beilage der "Berliner Zeitung" Ende der 1950er Jahre sprechen. Aber nicht Berlin wählte die Familie zum Wohnort, sondern Dessau, wo sie noch heute lebt. Hier entstanden für die DEFA-Kopierwerke Zeichenvorlagen für solche Trickfilme wie Herr Fuchs und Frau Elster oder Hase und Wolf. Seit der Tierparkeröffnung in Dessau 1958 ist auch Heinz Rammelt eng mit diesem verbunden. In den 1959er Jahren legte er sich den noch heute poulären Namen "Meister Tusche zu.

Sein Werk machen neben den leider nur verstreut vorliegenden Tier-Bildergeschichten und vielen Illustrationen in der Presse illustrierte Bücher bzw. Kinderbücher aus, wie "Ein kleines graues Eselskind", "Der kleine Försterhund", "Ein kleines Biberkind", "Ein Fest der Tiere", "Tiermütter-Tierkinder". Er schuf darüberhinaus Elster über 70 "Heimkino-Filme" mit Märchen und Tiergeschichten, darunter "Hase und Wolf" sowie "Fuchs und Hase“.

Heinz Rammelt ist verstorben.