Henry Büttner

Henry Büttner nennt man den Philosophen unter den Zeichnern, er ist der Meister des kargen Strichs, der leisen Satire, des melancholischen Humors. Seine zahllosen Strichmännchen mit ihren unbewegten Gesichtern tun gar nichts Ulkiges. Sie spielen uns unseren Alltag vor, daß er zum Schreien komisch wirkt. Büttner ist mit dieser Technik zum Klassiker geworden. Bei einer pedantischen Analyse der Büttnerschen Thematik dominieren die Charaktereigenschaften verspielt, erfinderisch, leidenschaftlich, verliebt, eifersüchtig, unselbständig faul, beharrlich mißtrauisch, wichtigtuerisch, großspurig berechnend, zerstreut, vorsorglich, entgegenkommend großzügig.

Wer oder was ist Büttner?

Fast hinter jeder Darstellung läßt sich das Gegenteil vermuten ,da sich der Zeichner ja darüber lustig macht. "Zeige mir wen du karikierst, und ich sage dir, wer du nicht bist.! Falls Büttner nicht zuletzt sich selbst und uns alle zum Narren hält -wie ein Großer Clown zu tun pflegt. Und ein Phänomen ist es ja wohl, wenn in mehr als 30 Jahren tagtäglich exakt drei Büttner Karikaturen entstanden sind ,die niemals in den Papierkörben der Redaktion ,sondern auf den Humorseiten vieler Zeitungen der DDR und der BRD gelandet sind.

Henry Büttner wurde am 12. November 1928 in Wittgendorf bei Chemnitz geboren, wo er auch heute noch lebt. Nach Abschluß der achtklassigen Volksschule begann er eine Lehre als Maler, die er aber des Krieges wegen nicht so richtig beenden konnte. Nach dem Krieg versuchte er es als Bauer, was total daneben ging. Auch einige Experimente die Laufbahn eines Sängers einzuschlagen schlug fehl und so wurde er Dekorateur und Schildermaler im Karl- Marx-Städter HO-Warenhaus und begann nebenher zu zeichnen.

1954 erschienen in der Silvesternummer des Eulenspiegels seine ersten Karikaturen, der bald weitere folgten. Seit 1958 ist Büttner freiberuflicher Karikaturist und Pressezeichner und kann auf einen Fundus von mehr als 15.000 Zeichnungen verweisen.

Den Menschen in seiner Vielfalt seines Verhaltens immer neu zu entdecken, seine Wichtigkeit komisch zu apostrophieren, sie zu bejahen, in dem er sie in Frage stellt -Thema mit unendlichen Variationen !

Es scheint so, als ob Büttner in seinen Zeichnungen die private Sphäre -Haus ,Familie, Krankenzimmer, Kneipe oder im Büro niemals durchbricht. Schaut man aber genauer hin, finden sich gerade hier oft Symbole für das Große im Kleinen, für unverwechselbar Zeitgemäßes: die verknappende Formel für Ungleichungen in der Beziehung der Menschen zueinander. Niemals zeigt Büttner auf einer Zeichnung mehr, als unbedingt für das Verständnis der Situation, des Witzes notwendig ist.

Das Dicke-Büttner-Buch aus dem Eulenspiegelverlag offeriert dem Leser und Sympathisanten einen umfangreichen Querschnitt durch Büttners bisherigen Gesamtschaffen, welches 16 eigene Bücher umfaßt und 14 Bücher die er für "fremde" illustriert hat. Büttner heute 71zig jährig zeichnet jetzt nur noch eine Seite für den Eulenspiegel und genießt sein Rentnerleben in seiner Heimatstadt Wittgendorf/ OT Chemnitz. Wenn ein braver Ehemann vom Einkauf mit einer riesigen Straßenwalze zurückkehrt und von seiner Gattin mit den Worten begrüßt wird: Du machst einen langsam verrückt mit deinen Panikkäufen! -so steckt da schon mehr dahinter als reiner Ulk, nämlich Satire auf Gegenwärtiges